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Online – Dating – ein Trend unter der Lupe

Die Liebeskomödie „E-Mail für dich“, Ende 1998 in den amerikanischen Kinos und Anfang 1999 auch auf den deutschen Kinoleinwänden erschienen, bereitete den Durchbruch einer sozialen Innovation vor, und zwar des Internet-Datings. Dieser Film führte die faszinierenden Möglichkeiten des Internets vor Augen, die in der Offline-Realität praktisch unmöglich erscheinen. Dank der Anonymität, die dieses neue Medium bietet, können sogar Menschen, die sich im realen Leben als harte Konkurrenten gegenüberstehen, ihre innersten Gedanken austauschen und sich dadurch kennen lernen und ineinander verlieben.

Mittlerweile ist für viele Alleinstehende der Besuch von Singlebörsen und Sexkontaktportalen so selbstverständlich wie der Gang in eine Kneipe. Monatlich sind ungefähr sieben Millionen deutsche Singles auf Online-Dating-Portalen aktiv. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Plattform www.singleboersen-vergleich.de. Sie will auch herausgefunden haben, dass sechs Millionen Deutsche bislang bei der Online-Partnersuche Erfolg hatten. Das Netz liegt in Deutschland hinter Partys und dem Arbeitsplatz auf Platz drei der Orte, an denen man heutzutage anbandelt.

Somit ist also normal geworden, was noch vor Jahren belächelt wurde oder peinlich war. Kein Wunder: Die neuen Medien sind tief in unseren Alltag eingedrungen und haben dabei unsere Partnerschaften verändert. Wer heute neben Internet und Handy eine Freundin oder einen Ehemann hat, führt meist eine multimediale Beziehung. Virtuelle und reale Welt überschneiden sich immer mehr. Reden beim Frühstück, Telefonieren am Nachmittag, Chatten in der Mittagspause, eine SMS am Abend – das gibt Raum für Streit („Du hättest dich melden können, du hast doch ein Handy!“) – aber auch die Möglichkeit, sich des anderen immer wieder zu versichern. Mit Signalen, die nur sagen sollen: „Ich denke gerade an Dich!“

Wer so selbstverständlich mit Medien umgeht, der findet es nicht ungewöhnlich, wenn jemand im Netz seinen Partner findet. Andere fragen sich, wie das klappen soll: sich kennen lernen, ohne sich zu sehen. Einander vertrauen, ohne zu wissen, ob der andere über Probleme lacht, die man ihm erzählt. Wichtig ist die Ehrlichkeit. Das heißt nicht, dem Unbekannten alles zu erzählen. Aber was erzählt wird, sollte stimmen. Sonst vergibt man sich den größten Vorteil des Chats: Sich anzunähern, ohne dass Aussehen und Alter zunächst eine Rolle spielen.

Im Chat ist es leichter, sich zu öffnen. Sehr häufig findet sich jemand der passt, wenn auch natürlich nicht immer eine Partnerschaft daraus wird. Wer öfter denselben Chat besucht, wird Teil eines Freundeskreises. Jeder lernt die Eigenarten der anderen kennen, und oft wissen Freunde aus dem Chatroom mehr übereinander als Verwandte außerhalb des Netzes. Das kann schlecht sein, sofern man online eine anonyme Pseudo-Nähe aufbaut, die Beziehungen außerhalb des Internets uninteressanter erscheinen lässt. Das kann aber auch gut sein. Viele trauen sich, im Chat Probleme anzusprechen, und erleben, von den anderen verstanden zu werden. Und dann wagen sie es vielleicht auch, sich zu öffnen, wenn der PC aus ist. Zudem fällt vielen das Ansprechen leichter. Es gibt kein Risiko, Befangenheit schwindet und man kann sich unbeschwert so geben, wie man ist bzw. zu sein glaubt.

Für andere ist der Chat reine Zeitverschwendung. Die wollen nicht auf den Zufall warten, dass ihnen jemand über den digitalen Weg läuft. Und da kommen die professionellen Vermittler ins Spiel, die versprechen, Menschen über das Netz zusammenzubringen.

Das Problem: Bei vielen Diensten kann man sich gratis registrieren – und wird dann schon zu den Mitgliedern gezählt. Wer aber Kontakt aufnehmen will, muss zahlen. Das Konzept der Agenturen: Sie füllen ihre Datenbank mit den Vorlieben und Abneigungen einzelner Menschen und lassen dann ihre Computer ermitteln, wer zu wem passen könnte.
Jeder sucht, jeder ist das Ziel, eine Maschine produziert das Glück. Unterschiede gibt es nur in der Art und Weise, wie die Profile der potenziellen Partner ermittelt werden: indem der Kunde einzelne Punkte ankreuzt oder einen langen Persönlichkeitstest über sich ergehen lässt.

Der Boom der Netzbeziehungen und Internetkontaktbörsen könnte, kritisch betrachtet, allerdings auch darauf hindeuten, dass nun selbst Beziehungen in unserer Gesellschaft immer mehr Warencharakter bekommen, dass, was romantisch sein sollte, zum Eintrag im Terminkalender verkommt. Die meisten Mitdreißiger arbeiten viel, keiner hat mehr Zeit. Die Folge: Wer in Job und Alltag effizient sein muss, wird auch effizient seinen Partner suchen wollen.

Ein Plus solcher virtueller Angebote ist der fehlende Zeitdruck. Wenn eine Frage ans Eingemachte geht, kann man gar nicht oder erst am nächsten Tag antworten. Jeder kann nachdenken, ohne dass der andere reinredet. Doch man sollte nie vergessen, dass das Internet nur da ist, solange man im Netz ist. Geht man raus, ist man auf sich alleine gestellt. Und dann hilft eher jemand, der einen so richtig in den Arm nehmen kann. Folgendem Erlebnis entgeht man damit glücklicherweise:

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