Auch ich kann es nicht mehr hören und auch mich nerven die Plakate mit den personalisierten Kondomen die unsere liebe Bevölkerung vor AIDS schützen wollen und auch bei mir gehen in Sachen Verhütung die Schotten runter – Blöd.
Schließlich ist das ein wichtiges Thema, aber irgendwie will es sich nicht so richtig im Geist verankern. Verschiedene Gruppen reagieren verschieden auf das Thema, allen gemein ist wohl, dass die groß angelegte Anzeigenkampagne “GIB AIDS KEINE CHANCE” der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) nur in den seltendsten Fällen den gewünschten Effekt hat.
Der Jugendliche von heute hat wohl das größte Problem. Schielte der früher nur in die geklauten Playboy-Hefte vom Nachbarn, sieht er sich heute mit sexueller Überladung in Form von Double-Penetration-Filmen aus dem Internet konfrontiert. Eine Folge davon ist, dass er oder sie denkt, über Orgasmus, G-Punkt und Verhütung bereits alles zu wissen, was es zu wissen gibt. Tatsächlich ist man über Techniken, Stellungen und Praktiken oft besser informiert als die Eltern.

Aber: Junge Menschen unterschätzen trotz… äh… theoretischer Überlegenheit oft die Macht der Situation. “Nimmst du die Pille?” Das muss man sich erstmal trauen, zu fragen. “Moment, ich hol ein Kondom” ist auch nicht wirklich der beste unter den Flirtsprüchen. Als Teenager bin ich froh, wenn ich mal ran darf, da werde ich dem Ganzen keine stundenlangen Diskussionen über Verhütung voranschicken. Vor allem, weil ja sowieso alles ablaufen muss wie im Film…
Hier versagt die vollkommen “uncoole” Anzeigenkampagne. Außer ein paar Nerds, die ob ihrer Intelligenz sowieso über Verhütung nachdenken, erreichen diese pseudo-witzigen Sprüche die heutigen Jugendlichen einfach nicht.
Ich persönlich denke, dass man über Sinn und Zweck solcher bundesweiter Anzeigekampagnen nur den Kopf schütteln kann. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung muss irgendetwas tun, also tut sie eben das. Ähnlich der guten alten “Du bist Deutschland!” – Misere wird also Geld für ein Programm ausgegeben, dessen Impact bei der Bevölkerung minimal ist.
Somit hat die Kampagne rein repräsentativen Charakter. Das Problem steigender AIDS Raten bei Jugendlichen löst sie nicht. Die kommen meiner Meinung nach daher, dass Kondome für das heutige Lebensgefühl einfach nicht mehr so richtig passen: Alles muss schnell, komfortabel und mit maximalem Kick passieren. Deswegen nehmen viele junge Mädchen die Pille und schützen sich dadurch vielleicht vor Schwangerschaft, aber eben nicht vor HIV.
Wie man deutschen Jugendlichen bei dem vorherrschenden Konzentrat von schnellem Sex in Werbung, Internet, Fernsehen und Radio die Gefahr, gerade in Großstädten, von ungeschütztem Geschlechtsverkehr deutlich machen will, darauf habe ich auch keine Antwort. Klar ist für mich nur: Diese Kampagne ist verschwendetes Geld und die Verantwortlichen sollten noch einmal überlegen, ob das nicht sinnvoller investiert werden kann. Ist schließlich deren Job und nicht meiner.
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21. April 2008

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