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Liebe ohne Sex – Ist das möglich?

Ein kurzer Rückblick: April 2007. Der Fernsehsender SF zeigt einen Beitrag zur Liebesbeziehung zwischen einem Jesuitenpater und einer katholischen Nonne. Ein Ding der Unmöglichkeit, sagen Sie? Keineswegs. Und es kommt noch dicker: Drei Jahrzehnte lang währte die heimliche Liebe bereits, bevor sie das Licht der Öffentlichkeit erreichte. Das riecht nach Regelverletzung, beinhaltet das priesterliche Gelübde doch nach wie vor den sexuellen Verzicht, den Zölibat.

Ein äußerst provokantes Thema also. So mancher Amtsinhaber der katholischen Kirche, aber sicherlich auch viele Gläubige, die das Vergnügen hatten, der Sendung beizuwohnen, dürfte einen Aufschrei der Entrüstung nur mühsam unterdrückt haben. Da sprechen diese beiden Menschen ganz offen von ihrer Liebe zueinander, von der in 30 Jahren gewachsenen Zuneigung. Dann plötzlich die Wende, einer Beruhigung gleich (zumindest für die katholische Obrigkeit) – Das Paar bekundet die rein platonische Natur seiner Liebe und verspricht, sie weiterhin auf dieser Ebene zu belassen, somit das Keuschheitsgelübde zu wahren.
Da fragt man sich: Ist der Mensch überhaupt dazu in der Lage? Kann er seine Triebe so sorgfältig unter den Tisch kehren? Sollte es wirklich möglich sein, das Tierische im Menschen Geschichte werden zu lassen?

Glaubt man den beiden, so ist dies gar nicht abwegig. Sie berichteten von ihrem ersten Zungenkuss, der zugleich eine Grenze darstellte. Ein weiteres Vordringen hätte möglicherweise unkontrollierbares Verhalten zur Konsequenz gehabt, einen Stein ins Rollen gebracht. Sie entschieden sich daher für den verstandesgeleiteten Weg. Liebe im Sinne von Zärtlichkeiten, von geistigem Austausch und gemeinsamen Stunden mit dem Wissen, angenommen und aufgehoben zu sein, eine Liebe, die nichts verlange, sondern gebe. Für viele Menschen vielleicht ein nicht erstrebenswerter Pfad, in jedem Fall ein schwieriges Unterfangen, dennoch durchaus spannend.

Es stellt sich die Frage, ob Menschen, die ihre körperlichen Bedürfnisse ausleben, auf bestimmte Erkenntnisse verzichten müssen. Nun ist es so, dass Liebe neben der Sexualität (Èros) mehrere Komponenten beinhaltet, wie zum Beispiel: bedingungslose Zuwendung, Freundschaft, Verantwortung einem anderen Menschen gegenüber, gegenseitige Anerkennung und Verständnis. Diese Reihe ließe sich beliebig weit ausführen, kann nicht auf einen Bereich beschränkt werden. Èros regiert die Welt, aber vielleicht geht es auch einen Moment lang ohne. Für eine Weile zumindest. Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken. Und möglicherweise zieht es keine Krise nach sich, wenn diese Weile ein wenig länger dauert. Fasten läutert. Enthaltsamkeit – von Zeit zu Zeit – wahrscheinlich ebenso. Man sollte jedoch nicht vergessen, darüber zu sprechen, so wie diese zwei Menschen. Beide halten übrigens den Zölibat der katholischen Kirche für ein Auslaufmodell. Was nicht heißt, dass sich der Einzelne nicht freiwillig diesem Weg verschreiben kann. Mit der Betonung auf kann, nicht muss!

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