Beiträge vom: April, 2008

Autor: Eva

Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch - so lautet das Klischee. Fast dreimal geschwätziger als das männliche sei das weibliche Geschlecht, hieß es immer und dass Frauen am Tag etwa 20.000 Wörter absondern, Männer hingegen nur 7.000.

Die US-amerikanische Neurologin Louann Brizendine beispielsweise nennt diese Zahlen in ihrem viel beachteten Buch „Das weibliche Gehirn. Warum Frauen anders sind als Männer“. Wer diese Zahlen in die Welt gesetzt hat, bleibt ein Mythos.

Ein Linguist der University of Pennsylvania Mark Liberman, vermutet, dass ein Paar-Berater die Zahlen erfunden hat, um typische Streitereien zwischen Eheleuten anschaulicher zu machen. Etwa nach rel=”lightbox” diesem Muster: „Ein Mann kommt nach der Arbeit nach Hause und hat schon 6850 seiner 7000 Wörter verbraucht, während die Frau ihn mit ihren noch übrigen 13.780 Wörtern empfängt. Er will seine Ruhe – sie will reden.“

Mann und Frau und wie sie reden © Flickr / racka_abe

Die wissenschaftliche Basis für diese Behauptung ist sehr dünn. Bisher wurden in keiner Studie die tatsächlichen Gespräche über eine längere Zeit aufgenommen. Einen neuen Ansatz haben Matthias Mehl und seine Kollegen. Das Team um den deutschen Psychologen hat zwischen 1998 und 2004 fast 400 Studenten aus den USA und Mexiko untersucht - mit einem selbst entwickelten Spezialrekorder, der die Gespräche aufzeichnete. Ergebnis der Studie (veröffentlicht in Science: „Are Women Really More Talkative Than Men?“): Männer und Frauen sprechen im Durchschnitt ungefähr gleich viel, etwa 16.000 Wörter pro Tag.

Berücksichtigen muss man dabei allerdings nicht nur den Charakter der Leute, sondern auch die Situation, in der sie sich befanden. Mehl erzählte von seinem Flug über den Atlantik. Er hatte zehn Stunden lang kaum mehr als „Vielen Dank“ und „Ein Glas Wasser, bitte“ gesagt. Umgekehrt kann man sich vorstellen, dass ein Kundenberater oder Lehrer in der gleichen Zeit sehr viel zu erzählen hat.

Müssen jetzt die Ratgeber in den Mülleimer wandern? Haben Männer und Frauen doch ein ähnliches Kommunikationsverhalten? Dazu müsste man natürlich wissen, was und wie die Leute reden. Plant er den Krieg, während sie Streit schlichtet? Zeigt sie Verständnis, während er Ratschläge erteilt? Matthias Mehl hat die Situationen noch nicht ausgewertet. Es bleibt offen, ob Männer bei der Arbeit mehr als zu Hause sprechen und umgekehrt, ob Frauen viel mehr Wörter mit ihrer besten Freundin als im Meeting verschwenden.

Aber er hat sich angesehen, worüber Männer und Frauen reden und fand rollentypische Muster durchaus bestätigt: „Männer sprechen mehr über Technik, Sport oder Finanzen und Frauen mehr über Mode, Partner, Familie und Freunde.“ Offensichtlich sind Frauen im Durchschnitt tatsächlich eher beziehungs- und Männer eher sachorientiert. Diese Interpretation unterstützt auch die Tatsache, dass die bespitzelten Männer häufiger konkrete Zahlen nannten und die Frauen mehr Personalpronomen („ich“, „wir“, „er“, „sie“) benutzten.

Auch wenn der Paartherapeut falsche Zahlen verbreitet hat, mit der Analyse typischer Konfliktsituationen in Beziehungen hatte er Recht. Relativ gut erforscht ist nämlich ein Phänomen, das Psychologen „Demand-and-Withdrawl“-Verhalten nennen: Die Frau fordert ein Gespräch nach dem Muster, „Wir müssen darüber reden“. Der Mann dagegen zieht sich emotional und verbal zurück. Dieser Zusammenhang könnte, glaubt Matthias Mehl, auch das Märchen von der geschwätzigen Frau erklären. Aus „Meine Frau will ständig über unsere Probleme reden“, wäre dann das verkürzte „Meine Frau redet ständig“ entstanden.

Glückliches Paar © Flickr / pedrosimoes7

Doch ist das nur Spekulation. So wie Mehl auch davor warnt, die empirisch nachgewiesenen Unterschiede zwischen den Themen, über die Frauen und Männern reden, überzubewerten. Männer und Frauen sind sich im Durchschnitt deutlich ähnlicher als es zwei zufällig ausgewählte Männer oder zwei zufällig ausgewählte Frauen sind. Aus irgendwelchen Gründen neigen Menschen dazu, Geschlechtsunterschiede gerne mit einem Vergrößerungsglas anzuschauen.

Vielleicht müssen die Ratgeber nicht komplett umgeschrieben werden, aber sie sollten doch anerkennen, dass es auch ein paar Männer auf der Venus und ein paar Frauen auf dem Mars gibt.    [...mehr]


Autor: Eva

Ein kurzer Rückblick: April 2007. Der Fernsehsender SF zeigt einen Beitrag zur Liebesbeziehung zwischen einem Jesuitenpater und einer katholischen Nonne. Ein Ding der Unmöglichkeit, sagen Sie? Keineswegs. Und es kommt noch dicker: Drei Jahrzehnte lang währte die heimliche Liebe bereits, bevor sie das Licht der Öffentlichkeit erreichte. Das riecht nach Regelverletzung, beinhaltet das priesterliche Gelübde doch nach wie vor den sexuellen Verzicht, den Zölibat.

Ein äußerst provokantes Thema also. So mancher Amtsinhaber der katholischen Kirche, aber sicherlich auch viele Gläubige, die das Vergnügen hatten, der Sendung beizuwohnen, dürfte einen Aufschrei der Entrüstung nur mühsam unterdrückt haben. Da sprechen diese beiden Menschen ganz offen von ihrer Liebe zueinander, von der in 30 Jahren gewachsenen Zuneigung. Dann plötzlich die Wende, einer Beruhigung gleich (zumindest für die katholische Obrigkeit) – Das Paar bekundet die rein platonische Natur seiner Liebe und verspricht, sie weiterhin auf dieser Ebene zu belassen, somit das Keuschheitsgelübde zu wahren.
Da fragt man sich: Ist der Mensch überhaupt dazu in der Lage? Kann er seine Triebe so sorgfältig unter den Tisch kehren? Sollte es wirklich möglich sein, das Tierische im Menschen Geschichte werden zu lassen?

Liebe ist Sex - _ - love is sex © Flickr/streetart

Glaubt man den beiden, so ist dies gar nicht abwegig. Sie berichteten von ihrem ersten Zungenkuss, der zugleich eine Grenze darstellte. Ein weiteres Vordringen hätte möglicherweise unkontrollierbares Verhalten zur Konsequenz gehabt, einen Stein ins Rollen gebracht. Sie entschieden sich daher für den verstandesgeleiteten Weg. Liebe im Sinne von Zärtlichkeiten, von geistigem Austausch und gemeinsamen Stunden mit dem Wissen, angenommen und aufgehoben zu sein, eine Liebe, die nichts verlange, sondern gebe. Für viele Menschen vielleicht ein nicht erstrebenswerter Pfad, in jedem Fall ein schwieriges Unterfangen, dennoch durchaus spannend.

Es stellt sich die Frage, ob Menschen, die ihre körperlichen Bedürfnisse ausleben, auf bestimmte Erkenntnisse verzichten müssen. Nun ist es so, dass Liebe neben der Sexualität (Èros) mehrere Komponenten beinhaltet, wie zum Beispiel: bedingungslose Zuwendung, Freundschaft, Verantwortung einem anderen Menschen gegenüber, gegenseitige Anerkennung und Verständnis. Diese Reihe ließe sich beliebig weit ausführen, kann nicht auf einen Bereich beschränkt werden. Èros regiert die Welt, aber vielleicht geht es auch einen Moment lang ohne. Für eine Weile zumindest. Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken. Und möglicherweise zieht es keine Krise nach sich, wenn diese Weile ein wenig länger dauert. Fasten läutert. Enthaltsamkeit – von Zeit zu Zeit – wahrscheinlich ebenso. Man sollte jedoch nicht vergessen, darüber zu sprechen, so wie diese zwei Menschen. Beide halten übrigens den Zölibat der katholischen Kirche für ein Auslaufmodell. Was nicht heißt, dass sich der Einzelne nicht freiwillig diesem Weg verschreiben kann. Mit der Betonung auf kann, nicht muss!    [...mehr]


Autor: Ernesto

Auch ich kann es nicht mehr hören und auch mich nerven die Plakate mit den personalisierten Kondomen die unsere liebe Bevölkerung vor AIDS schützen wollen und auch bei mir gehen in Sachen Verhütung die Schotten runter - Blöd.

Schließlich ist das ein wichtiges Thema, aber irgendwie will es sich nicht so richtig im Geist verankern. Verschiedene Gruppen reagieren verschieden auf das Thema, allen gemein ist wohl, dass die groß angelegte Anzeigenkampagne “GIB AIDS KEINE CHANCE” der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) nur in den seltendsten Fällen den gewünschten Effekt hat.

Der Jugendliche von heute hat wohl das größte Problem. Schielte der früher nur in die geklauten Playboy-Hefte vom Nachbarn, sieht er sich heute mit sexueller Überladung in Form von Double-Penetration-Filmen aus dem Internet konfrontiert. Eine Folge davon ist, dass er oder sie denkt, über Orgasmus, G-Punkt und Verhütung bereits alles zu wissen, was es zu wissen gibt. Tatsächlich ist man über Techniken, Stellungen und Praktiken oft besser informiert als die Eltern.

Das Kondom - fühlt sich glücklich © flickr / miss karen

Aber: Junge Menschen unterschätzen trotz… äh… theoretischer Überlegenheit oft die Macht der Situation. “Nimmst du die Pille?” Das muss man sich erstmal trauen, zu fragen. “Moment, ich hol ein Kondom” ist auch nicht wirklich der beste unter den Flirtsprüchen. Als Teenager bin ich froh, wenn ich mal ran darf, da werde ich dem Ganzen keine stundenlangen Diskussionen über Verhütung voranschicken. Vor allem, weil ja sowieso alles ablaufen muss wie im Film…

Hier versagt die vollkommen “uncoole” Anzeigenkampagne. Außer ein paar Nerds, die ob ihrer Intelligenz sowieso über Verhütung nachdenken, erreichen diese pseudo-witzigen Sprüche die heutigen Jugendlichen einfach nicht.

Ich persönlich denke, dass man über Sinn und Zweck solcher bundesweiter Anzeigekampagnen nur den Kopf schütteln kann. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung muss irgendetwas tun, also tut sie eben das. Ähnlich der guten alten “Du bist Deutschland!” - Misere wird also Geld für ein Programm ausgegeben, dessen Impact bei der Bevölkerung minimal ist.

Somit hat die Kampagne rein repräsentativen Charakter. Das Problem steigender AIDS Raten bei Jugendlichen löst sie nicht. Die kommen meiner Meinung nach daher, dass Kondome für das heutige Lebensgefühl einfach nicht mehr so richtig passen: Alles muss schnell, komfortabel und mit maximalem Kick passieren. Deswegen nehmen viele junge Mädchen die Pille und schützen sich dadurch vielleicht vor Schwangerschaft, aber eben nicht vor HIV.

Wie man deutschen Jugendlichen bei dem vorherrschenden Konzentrat von schnellem Sex in Werbung, Internet, Fernsehen und Radio die Gefahr, gerade in Großstädten, von ungeschütztem Geschlechtsverkehr deutlich machen will, darauf habe ich auch keine Antwort. Klar ist für mich nur: Diese Kampagne ist verschwendetes Geld und die Verantwortlichen sollten noch einmal überlegen, ob das nicht sinnvoller investiert werden kann. Ist schließlich deren Job und nicht meiner.

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Autor: Ernesto

Der Kamasutra-Artikel darf ja auf keinem Beziehungs/Sex - Blog fehlen. Warum? Weil man da so wunderschön wissenschaftlich darüber palavern kann, wie sich zwei Menschen in den unmöglichsten Stellungen befruchten.

Kamasutra - spielerisch glücklich werden? © flickr / kaibara87

Immer wenn es zu explizit wird, weicht man auf die traditionelle Bedeutung dieses .. äh.. historisch bedeutsamen Textes aus, der … entschuldigt, aber ich bin etwas abgelenkt von den Bildern. Wo war ich? Genau, also das Alter des Kamasutra ist unbestätigt auf ungefähr 300 v. Christus datiert und…

Moment, das ist physikalisch unmöglich! Diese Leute müssen entweder an den merkwürdigsten Stellen Muskulatur besessen haben, oder ich bin zu schlapp für echten Sex. Ah, endlich ein Bild, was relativ reizvoll aussieht, auch in der praktischen Durchführung dürfte das… Uff.indische Kama Sutra Plastik

Also: Das Kamasutra ist natürlich viel mehr als das “simple Erotiklehrbuch” (Zitat Wikipedia), auf das es von den lüsternen Europäern immer wieder reduziert wird. Natürlich. Es stellt vielmehr eine Anleitung dar für den Menschen in der damaligen indischen Gesellschaft, wie der, abhängig von seiner Kaste, zu leben und eben auch Sex zu haben habe. Körpersprache und Auftreten werden ebenso behandelt wie Stellungen und Techniken.

Ein philosophisches Werk alter Zeit also. Eine Art Rammel-Knigge… Entschuldigung, aber eine differenzierte Betrachtungsweise will sich nicht so richtig einstellen. Zumindest nicht, solange ich nicht alle Stellungen ausprobiert und mir mindestens drei Knochen gebrochen habe.

Ich bin jetzt mal ein paar Monate im Urlaub, danach versuche ich mich nochmal an einem Kamasutra-Artikel!

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Autor: Ernesto

Das Gesicht eines Menschen ist für seinen Gegenüber ein probates Mittel, um die Person selbst einschätzen zu können. Gesicht flickr©ProverbsLässt man andere Aspekte wie Kleidung, Sprache und Verhalten außer Acht, kann ein Großteil der Menschen sehr gut am Gesicht einschätzen, wie die Stimmung des Anderen ist.

Laut Lyndia Boothroyd von der britischen Durham University können Männer und Frauen in Bruchteilen von Sekunden erkennen, ob beim Gegenüber ein prinzipielles Interesse für unverbindliche sexuelle Abenteuer herrscht. Um die eingangs erwähnten Aspekte ausschließen zu können, haben die Probanden lediglich ein Foto erhalten und mussten anhand dessen einschätzen, ob die abgebildete Person ein Interesse an einem One-Night-Stand besitzt oder nicht.

In Summe erzielten die Probanden eine Genauigkeit von 72 Prozent. Zudem hat die Studie von Lyndia Boothroyd ergeben, dass Frauen, die ein Interesse an einer Affäre hatten, als besonders attraktiv eingestuft wurden. Die männlichen Gegenparts hingegen wurden zwar als maskulin, aber nicht zwingend als attraktiv wahrgenommen. Dies zeigt wieder deutlich die differenzierte Wahrnehmung von Männer und Frauen.

Trotz dieser Unterschiedlichkeiten ist es doch überraschend, wie hoch die Treffergenauigkeit der Probanden war. Leider scheint sich dies nicht eins zu eins in den Alltag übertragen, weil die anderen Aspekte zusätzlich in Wahrnehmung mit einfließen und die Beurteilung des Gesichtes eintrüben.    [...mehr]


Autor: Ernesto

Pärchen ohne Probleme flickr©pepewk

So tituliert vor ein paar Tagen die Süddeutsche Zeitung und gab damit ein ganz besonderes Statement zum 10jährigen Jubiläum von Viagra ab. Dabei beruft sich die Online-Ausgabe der Zeitung auf eine medizinische Studie, wonach rund ein Viertel aller Menschen keine Lust auf Sex empfinden. Ihnen würde selbst die Wunderpille nicht auf die Sprünge helfen, weil diese nur die physischen Fähigkeiten der Pille fördert, währenddessen viele „Unlustige“ an psychischen Problemen leiden.

Selbst medizinische Alternativen wie Apomorphin (mit Opium verwandt) oder die Substanz “pt-141″, das ursprünglich als Bräunungsmittel entwickelt wurde, aber überraschende Nebenwirkungen zeigte - plötzlich zahme Nager in wahre Betttiger verwandelte und selbst den Anblick von nackten Frauen in Schatten stellte.

Also mal im Ernst, die Erkenntnis ist nicht sonderlich neu und basiert meiner Meinung nach auf dem neuen gesellschaftlichen Druck, der auf den Menschen lastet. In einer Zeit, wo Beziehungen nur Haltwertzeit einer Eintagsfliege besitzen, steht man bei neuen Partnern ganz besonders unter Druck. Je länger und je ausdauernder, umso besser. Denkste – denn der Stern hat in einem Artikel „Wie lange dauert guter Sex“ eine Studie veröffentlicht, wonach guter Sex zwischen drei und 13 Minuten dauert. Ja was denn nun? Die Folge ist geistige Verwirrtheit, womit man wieder beim Titel des Artikels wäre.

Also lieber den Sex genießen und entspannen, dann klappst auch mit dem Kopf!    [...mehr]